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Kirchentonarten – Einführung

Was ist eigentlich eine Kirchentonart und wozu braucht man sie?

Wer ein Instrument spielt, kennt vielleicht schon die eine oder andere Kirchentonart: die Dur-Tonleiter und die (natürliche*) Moll-Tonleiter sind nämlich gleichzeitig Kirchentonleitern. Als solche werden sie dann, wie die anderen Kirchentonarten auch, mit griechischen Bezeichnungen versehen – die Durtonleiter wird dann „ionisch“ genannt, die Molltonleiter „äolisch“.

Die C-Dur-Tonleiter (bestehend aus den Tönen C, D, E, F, G, A, H) kann man folglich auch als „C-ionisch“ bezeichnen. Spielt man diese Tonleiter vom Ton A beginnend aus (A, H, C, D, E, F, G), so erhält man die (natürliche*) A-Moll-Tonleiter. Diese Tonleiter kann man auch als „A-äolisch“ bezeichnen. Beide Tonleitern verwenden also die selben Töne; sie unterscheiden sich aber durch den Anfangston, von dem aus man losspielt. Dies ist typisch für alle Kirchentonarten: man spricht hier von verschieden Modi einer Tonleiter. Am Beispiel von C-Dur und A-Moll erklärt: Die A-Moll-Tonleiter (oder A-Äolisch) ist der sechste Modus der C-Dur-Tonleiter (oder von C-Ionisch), da man für A-Moll mit dem sechsten Ton der C-Dur-Tonleiter beginnt, aber ansonsten die gleichen Töne der C-Dur-Tonleiter verwendet.

Was für Kirchentonarten gibt es außer ionisch und äolisch noch? Die anderen Kirchentonarten sind die restlichen Modi, die sich aus den angesprochenen sieben Tönen bilden lassen:

  • Dorisch: zweiter Modus der Durtonleiter – Beispiel: D-Dorisch = D, E, F, G, A, H, C
  • Phrygisch: dritter Modus der Durtonleiter – Beispiel: E-phrygisch = E, F, G, A, H, C, D
  • Lydisch: vierter Modus der Durtonleiter – Beispiel: F-lydisch = F, G, A, H, C, D, E
  • Mixolydisch: fünfter Modus der Durtonleiter – Beispiel: G-mixolydisch = G, A, H, C, D, E, F
  • Lokrisch: siebter Modus der Durtonleiter – Beispiel: H-lokhrisch = H, C, D, E, F, G, A

Die genannten Beispiele sind alle von der C-Dur-Tonleiter her abgeleitet. Man kann aber auch mit jeder anderen Dur-Tonleiter gleich verfahren: die A-Dur-Tonleiter hat die Töne A, H, C#, D, E, F#, G#. Der vierte Modus der A-Dur-Tonleiter („lydisch“) würde dann ab dem Ton D starten – man erhält für D-lydisch also folgende Tonleiter: D, E, F#, G#, A, H, C#

Das sind also die sieben Kirchentonarten: ionisch, dorisch, phrygisch, lydisch, mixolydisch, äolisch, lokrisch.

Aber wofür braucht man diese denn nun?

* „natürlich“ verstanden in Abgrenzung zur melodischen bzw. harmonischen Molltonleiter