0

Halloween-Special: verminderte Akkorde!

Seit jeher wird Musik in Horrorfilmen wie auch in anderen Streifen jenseits des Grusel-Genres benutzt, um spannungsgeladene Szenen musikalisch zu unterstreichen. Ein gerne genommenes Klischee stellen in diesem Zusammenhang verminderte Akkorde dar.

Schon in Johann Sebastian Bachs berühmter Orgel-Toccata und Fuge in D-Moll findet sich gleich zu Anfang ein solcher dramatisch klingender und Spannung suggerierender Akkord:


Verminderte Akkorde sind etwas komplexer als einfache Dur- und Moll-Dreiklänge. Wie Dur/Moll-Akkorde auch sind sie in Terzschichtung aufgebaut – allerdings werden bei verminderten Akkorden ausschließlich kleine Terzen übereinander gelegt:

Foto
Abgebildet ist hier der in der Bach-Toccata verwendete verminderte Akkord, bestehend aus den Tönen Cis, E, G und B. Bach verwendet ihn als vierstimmigen Akkord; es gibt aber auch verminderte Dreiklänge, die nur die unteren drei Noten verwenden – der verminderte Dreiklang würde aufbauend auf Cis hier also nur aus den Tönen Cis, E und G bestehen. Im folgenden Klangbeispiel ist erst der verminderte Dreiklang, dann der Vierklang zu hören:

Bezeichnung und Akkordsymbol

Verminderte Akkorde werden mit dem Zusatz  „o“ (sprich: Null) bzw. „dim“ (Abkürzung für „diminished“ – engl. für vermindert) gekennzeichnet. Der verminderte Dreiklang aus Cis, E, G würde in der verbreiteten englischen Schreibweise mit C#oder C#dim abgekürzt (Cis ist als tiefster Ton der Grundton des Akkords). Als Vierklang mit den Tönen Cis, E, G und B würde man den Akkordsymbol den weiteren Zusatz „7“ hintenanstellen – der nun hinzutretende vierte Ton B stellt nämlich die verminderte Septime zum Grundton Cis dar. Dieser Akkord wird also mit C#o7  bzw. C#dim7 bezeichnet.

Umkehrungen

Mit Umkehrungen von verminderten Akkorden lassen sich lustige Sachen anstellen: bildet man zu C#o7 Umkehrungen, in dem man den tiefsten Ton nach oben legt, sind die Töne jetzt angeordnet als E, G, B, Cis – das Cis „wandert nach oben“. Die beiden oberen Töne bilden wiederum als Intervall eine kleine Terz (bzw. das gleich große Intervall übermäßige Sekunde). Die Intervallfolge als solche bleibt also gleich, so dass sich nach wie vor alle vier Töne im Kleinterz-Abstand zueinander befinden. Die erste Umkehrung von C#o7 stellt daher ihrerseits einen neuen verminderten Akkord dar, nämlich Eo7. Bildet man von letzterem wiederum die Umkehrung nach oben, so erhält man Go7 (Töne: G, B, Cis, E), und die Umkehrung davon ergibt Bbo7 (B, Cis, E, G). Würde man diesen Akkord auch noch entsprechend weiter umkehren, so erhielte man wieder den Ausgangsakkord C#o7.

Diese vier Akkorde (C#o7, Eo7, Go7 , Bbo7) bauen hintereinander weg gespielt noch mehr Spannung auf als ein einzelner verminderter Akkord:

Da die vier Akkorde die gleichen Töne enthalten, kann man die Akkordfolge C#o7, Eo7, Go7 , Bbo7 auch auf dem Klavier spielen, in dem man in der rechten Hand eine beliebige Umkehrung der vier enthaltenen Töne spielt, und mit der linken Hand nacheinander die Töne Cis, E, G und B dazu spielt – ohne den Akkord der rechten Hand zu verändern. Dies macht die Handhabung dieser verminderten Septakkorde viel einfacher – und klingt auch gespielt gut! Nämlich so:

Wie bei diesen vier Akkorden gibt es noch zwei weitere Gruppen von verminderten Akkorden, die aus den gleichen Tönen bestehen:

  • Do7, Fo7, Abo7, Bo7 setzen sich aus den Tönen D, F, As und H zusammen
  • Ebo7, Gbo7, Ao7, Co7 setzen sich aus den Tönen Es, Ges, A und C zusammen

Besonders schaurig klingt es, wenn man diese drei „Vierpakete“ aufsteigend nacheinander spielt, so dass alle 12 verminderten Akkorde nacheinander erklingen:

Happy Halloween!

facebooktwittergoogle plus